logo st benedikt

Warum vierzig Jahre?

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
wie Sie es ja wissen, erinnert uns die vierzigtägige Fastenzeit
an die vierzigjährige Wüstenerfahrung Israels. Lange Zeit
habe ich mich gefragt, warum die Israeliten vierzig Jahre in
der Wüste verbrachten, bevor sie das verheißene Land erreichten. Dafür gibt es natürlich
mehrere Erklärungen. Ich möchte hier meine eigene Überzeugung mit Ihnen teilen. Zuallererst
dürfen wir nicht vergessen, dass Gott heilig ist und alles, was von ihm kommt, heilig
ist. In diesem Sinne war das verheißene Land ein heiliges Land, weil es ein Geschenk
Gottes war. Deshalb sollten die Israeliten auch heilig sein, sie mussten sich reinigen, bevor
sie diesen heiligen Ort, das verheißene Land, besitzen konnten. Sogar ein Kind versteht in
einem bestimmten Alter, dass es einen sauberen Anzug nicht anziehen kann, solange es
noch schmutzig ist. Nicht umsonst empfiehlt unser Herr, dass wir neuen Wein in neue
Weinschläuche füllen dürfen (Matthäus 9, 17). Doch wissen wir, dass die Wüste eine Zeit
der Probe für das Volk Israel war. Sie erlebten die Nähe Gottes (Manna), aber auch ihren
eigenen Unglauben und ihr mangelndes Vertrauen in Gott. Sie zweifelten an der Wirksamkeit
dieses Gottes, der sie aus der Sklaverei herausgeführt hatte, und wünschten sich sogar,
nach Ägypten zurückzukehren. Auch Mose hatte Gott nicht vertraut. So durfte er das
verheißene Land nur vom weiten herschauen. Jetzt wird alles klar. Das Volk Israel verbrachte
vierzig Jahre in der Wüste, nicht wegen der physischen Entfernung, die Ägypten
vom verheißenen Land trennte, sondern eher wegen der geistigen Entfernung, die es von
Gott trennte. Also nahm sich Gott die Zeit, sein Volk zu trainieren und zu reinigen, bevor
es dieses gesegnete Land in Besitz nahm.
Dieses neue Jahr 2021 ist ein Geschenk Gottes. Die Fastenzeit hilft uns also, uns dieses
Geschenk Gottes zu „verdienen“. Versuchen wir, Gott zu vertrauen, dass er alles zum Guten
wendet und dass wir auch unseren Beitrag dazu leisten. Lasst uns lernen, auf Gott zu
vertrauen und in allem mit ihm zu rechnen, egal was passiert.
Herzlichst wünsche ich uns allen eine befreiende und erneuernde Fastenzeit!

Ihr Pfarrer Bill Augustin Mikambu

­